Gendershift: 4 Gründe warum der einen neuen Namen braucht.

Das Zukunftsinstitut hat vor ein paar Wochen die 7. Auflage der Megatrend-Dokumentation herausgegeben. Das Teil ist wie immer wirklich lesenswert. Letzte Woche haben sie dann einen Artikel über die Top 5 der Megatrends für Unternehmen bis 2020 veröffentlicht und darin kam einer nicht vor. Ich habe den Artikel hoch und runter gelesen, versteckte Links gesucht, mein IPhone in alle Richtungen gedreht und geschüttelt und ihn einfach nicht gefunden, den «Gendershift». Kaum aufgeschrieben, sehe ich sie dann aber auch förmlich vor mir, wie sie sich auf leisen Sohlen, unauffällig in ihre Eckbüros zurückziehen und heimlich die Türen hinter sich schliessen, die Entscheider der Unternehmen von heute. Ich denke es wäre leichter die kommerziellen Aspekte des Gendershift hervorzuheben, wenn er anders hiesse. Hier sind 4 Gründe dafür:

1. «Gender» klingt nach Politik

Gerhard Schröder hätte den «Gendershift» wohl «Frauen, Queere und Gedöns - Shift» genannt. Der Genderbegriff ist irgendwie behaftet mit antikapitalistischen Assoziationen. Man denkt an sozialpolitischen Diskurs, die Gleichberechtigung von Minderheiten und an Aktivismus, wenn man das hört. Mit der kapitalistischen Welt aus profitorientiertem Unternehmertum, das sich an Mehrheiten richtet, haben diese Assoziationen meisst wenig Schnittmenge. Darum verleitet der Titel des Shiftes irgendwie dazu, diesbezügliche Aktivitäten den Familienministern dieser Welt zu überlassen.

2. Da fehlt was im Namen

Der «Gendershift» hiess mal «Female Shift» bis irgendwem auffiel, dass es ja neben Frauen noch eine ganze Menge anderer Menschen gibt, die weder weiss, männlich noch heterosexuell sind. Daraufhin wurde der «Female Shift», dann «Gender Shift» genannt. Von nun an sollten also nicht nur Frauen sondern alle Menschen die nicht männlich und heterosexuell sind gemeint sein. Was dem Namen jetzt immer noch fehlt ist die Referenz zur «Race». So dass auch nicht weisse Personen mit anderem Gender gemeint sind. 

3. Der Generationenkonflikt

Die Generationen X und alle älteren, sind noch stark vom binären Geschlechtssystem geprägt, also der Aufteilung in Mann und Frau und Hetero- oder Homosexuell. Während von ihnen so viel Shift in Sachen Gender also nicht zu erwarten ist, anerkennen die  Jüngeren, die bestehenden Gender-Strukturen nicht bis überhaupt nicht mehr.  Hier zeichnet sich nicht nur ab, dass der «Gendershift» ein Thema der unter 40 Jährigen ist, sondern es kommt auch die Dimension des Konfliktes zwischen den Generationen hinzu, den ich hier bei den Snippets schon ein paar mal angesprochen habe (z.B. im Luxury Post).  

4. Weisse, heterosexuelle Männer

Ausserdem: Was hat das alles überhaupt mit Gender zu tun? Wenn alle Frauen, Gender und Races in die Führungsetagen der Privatwirtschaft und in die Politik shiften, dann sind die Lebensrealitäten aller weissen, heterosexuellen Männer unter 40 ebenfalls massivem Wandel unterzogen. Es geht bei dem Shift irgendwie gar nicht um Gender, sondern einfach um jeden unter 40.   

Darum schlage ich vor, dass wir ihn auch so nennen, den Shift. Sowas wie «Below 40 Shift» oder so. Würde er so heissen, dann käme er vielleicht auch in den Top 5 des Zukunftsinstitutes vor, wie es der Trend der Silver Society ja tut. Denn dann würde klar, dass dieser Trend die Hauptzielgruppe von fast allem erfasst, dass er die Lebensrealitäten des Mainstreams radikal verändert und was Talentmanagement betrifft natürlich nicht nur nach aussen sondern auch ins innere der Unternehmen ausstrahlt. Aber vor allem fürs Branding und gute Stories, wo wir maximale Schnittmengen mit den Lifestyles der Menschen brauchen um authentischen Content und relevante Produkte zu designen, verrät der «Below 40 Shift» viele sozioökonomische Zielgruppen-Insights die genau jetzt und gerade in den kommende 2 Jahren wirklich sehr relevant sind. Wie zeigt man Romantik, wie erzählt man Familie, wo regen sich wünsche, wie findet man Frontrunner und wo kann man sich selbst als Brand in diesem Kern aller Lebensbereiche positionieren?

#Zukunftsinstitut #Gendershift #Below40Shift

Nora UrschelerKommentieren