ASMR: Let’s get weird.

ELSTA hat was Neues auf YouTube gefunden, es heisst ASMR. ASMR heisst: Autonomous Sensory Meridian Response. Klingt irgendwie wissenschaftlich, beschreibt aber einfach das Kribbeln auf dem Rücken, das leere Rauschen im Kopf oder die Gänsehaut die ziemlich viele Leute bekommen, wenn sie Random Texte auf YouTube vorgeflüstert bekommen. Das Geflüstere kommt zusammen mit Geräuschen die Alltagsgegenstände von sich geben. Also so zum Beispiel das Tippen auf der Tastatur, Haare Bürsten oder Feuerzeug einschalten. «ASMR Darling» heisst die Vorreiterin dieses, ich nenne es mal «Genre» und sie hat nur ganz leicht weniger als 2'000'000 Subscriber.

Irgendwie weird, aber irgendwie auch nicht. Das Drama - Triangle aus Alltagsstress, zunehmender Informationsüberlastung in der Digitalisierung und der Vereinzelung und mangelnden Intimität und zwischenmenschlicher Nähe in der Individualisierung nimmt ja dieser Tage so ziemlich jeden in Geiselhaft. Was mich daran interessiert ist der Aspekt mit der anonymen Intimität die da Millionenfach nachgefragt wird. Brands wollen ja gerne Intimität mit ihren Zielgruppen und dieses ASMR Phänomen zeigt: Für Intimität gibt’s einen Markt. Menschen wollen Intimität, sie wollen sie anonym und sie suchen sie sich im Internet.

ELSTA findet: Damit kann man arbeiten.

Bei mir schleudert diese Plattform sogar eine ganze Menge Ideen: Geflüsterte Pre-Rolls natürlich oder die Fülle an Geräuschen die zum Beispiel Digitec mit allem was sie so verkaufen ins Mikro klicken, rauschen oder streichen könnte und Werbung die ihre Zielgruppen in den Schlaf flüstert. Darüber hinaus bietet das natürlich einen differenzierenden Aspekt in der Positionierungsarbeit, denn es gibt ein Bedürfnis nach «Hubs der Ruhe und der Ausgeglichenheit» jenseits von aufgeregten «Unser Service ist der schnellste» Versprechen. Und dann ist das doch auch noch ein spannendes Schlupfloch für erklärungsbedürftige Produkte und Angebote. Vielleicht wird einem ja in Zukunft mal ganz in Ruhe gefüstert, was es mit diesem 5G und Fiber auf sich hat, oder Biostrom, oder Datensicherheit oder was es noch alles so Körperloses und kompliziertes an Produkten in unserer digitalen Welt gibt. Und vielleicht bekommen diese Dinge dann ja ein ein schönes Geräusch, wenn sie doch schon unsichtbar, körperlos und geruchsneutral sind.

Was man so flüstert auf ASMR scheint eigentlich wurscht zu sein, die Aufmerksamkeit und Konzentration der Rezipienten ist dafür um so höher. Das zeigt Jeffrey Star hier ganz gut:

Wer jetzt aber denkt: «Au super, ich schalte einfach Werbung auf einem ASMR Channel»… lieber nicht. Sagt jedenfalls Buzz Feed und die kennen sich ja ganz gut aus mit digitalen Kulturen. Hier haben sie 17 Dinge, die man darüber unbedingt wissen muss. Und wer immer noch nicht genug hat: Schau «Follow This» auf Netflix, es gibt eine extra Folge über die Internet Whisperer - Buzz Feed hat hier auch die analoge Variante ausprobiert, die Whisper Lodge in NY. Mit dem Ergebnis: Anonyme Intimität ist doch besser als die Echte.

Viel Spass

Nora UrschelerKommentieren